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Gästebuch

zypernhunde

Der fünfte  in der Runde, der rot-weiße Kater, ist Jackie.

 

Jackie ist  ein Streuner. Irgendwann tauchte er hier auf dem Hof auf. Keiner weiß, woher er  kam. Auch bei unseren Nachbarn zur rechten und zur linken war er häufig präsent.  Scheu war er. Kaum, dass man ihn sah, war er auch schon wieder verschwunden. Er  fraß gerne das Futter, das wir ihm hinstellten, aber dann war auch schon wieder  weg.

 

Als er  hierher kam, war er ganz furchtbar dünn. Das war Anfang 2007. Er sah immer so  aus, als hätte er den Anzug seinen größeren Bruders an. Wie konnten wir ihm nun  helfen? Er tat uns leid, aber ein Rankommen war nicht möglich. Einmal war er  krank. Schnupfen, ziemlich heftig. Er schlief bei uns im Eselstall. Wir  versuchten, ihn einzufangen, aber das vorher so kranke und schwache Tier  entwickelte unglaubliche Kräfte. Wir hatten's vermasselt. Das kranke Tier rannte  davon und wurde lange nicht gesehen. Da fühlten wir uns megaschuldig, aber es  war nicht zu ändern. Wir wissen nicht, ob er in der Zwischenzeit zum Essen kam.  Die Näpfe waren zwar immer leer, aber schließlich gibt es hier sehr viele  Streuner. In jedem Fall bekamen wir ihn wochenlang nicht zu  Gesicht.


Der  Sommer wurde schlechter, es fing an zu regnen und wer lag auf einmal wieder bei  uns im Eselstall? Jackie!


Er  hatte seine Krankheit überwunden und ihr könnt euch vorstellen, dass wir ihm  fast gebratene Tauben serviert haben. Unsere Strategie veränderten wir ab da  völlig. Wir wollen ihn nicht noch einmal vergraulen, sondern sein Vertrauen  gewinnen. Ganz hohes Ziel, aber wir hatten Zeit.

 

So ist er  seit über einem Jahr täglich bei uns auf dem Hof unterwegs und lässt sich  bewirten. In seinen Anzug ist er mittlerweile hineingewachsen. Er ist richtig  ein bisschen moppelig geworden.

Vor etwa vier Monaten fiel uns auf, dass  er immer häufiger in unserer Nähe war. Er blieb auch nach dem Essen einfach bei  uns im Flur oder in der Küche sitzen und beobachtete uns einfach nur. Wir  unternahmen keine weiteren Versuche, uns ihm zu nähern. Wir redeten mit ihm. Das  Wort Jackie steht für ihn in Zusammenhang mit vollem Bauch. Nicht die  schlechteste Ausgangssituation.

Wir sprachen ihn in der ganzen Zeit IMMER  an. Unterhielten uns mit ihm auf Abstand. Er antwortet mittlerweile. Er maunzt  sehr laut. Vielleicht ist er etwas schwerhörig? Irgendwann werden wir es genauer  wissen.

 

Jackie  schaute sich genau an, wie unsere Katzen sich uns gegenüber benehmen. So hatte  er immer etwas zum nachdenken. Konnte aber am Verhalten unserer Katzen scheinbar  auch erkennen, dass wir so schlecht nicht sein können.

 

In ganz  kleinen Schritten geschieht eine Veränderung. Das Beispiel des Fütterns ist  dabei sehr anschaulich:

1. Heimliches Anschleichen und hastig essen.  Sobald Zweibeiner in der Nähe, Flucht!

2. Heimliches hastiges Essen.  Zweibeiner kommt in die Nähe? Noch hastiger weiter essen, aber nicht mehr gleich  weglaufen.

3. Essen.  Wenn Futternapf alle, in Richtung Zweibeiner gehen und lauthals schreien.  Schnell weglaufen, wenn Zweibeiner kommt und erst zum Napf, wenn Zweibeiner  mindestens 3 Meter weg ist.

 

4. Wenn  Futternapf alle, zum Zweibeiner gehen und lauthals schreien. Zweibeiner kommt  mit Futter. Da kann man sich daneben setzen. Zweibeiner macht nix, auch wenn man  auf 30 cm rankommt.

5. Schreien nach Futter, egal ob Futternapf alle oder  nicht. Zweibeiner kommt. Man sitzt neben Futternapf und guckt zu, was Zweibeiner  da rum must. Wie riecht Zweibeiner eigentlich? Kurz mal Finger  anschnuppern.

 

6.  Schreien nach Futter, egal ob Futternapf alle ist oder nicht. Finger von  Zweibeiner kommt ans Fell, während man schon isst. HUCH! Kurzes zurückzucken,  etwas erstaunt gucken und dann weiter essen.


7.  Während man im Flur liegt, nach Zweibeiner schreien. Zweibeiner funktioniert wie  immer und man begleitet Zweibeiner mit hochgerecktem Schwanz und fröhlichem  Gemaunze zum Futternapf.

8. Prozedur wie 7. Aber man hat ja gesehen, was  die anderen Artgenossen so machen und reibt einfach mal auf ganz besondere Weise  sein Köpfchen an Zweibeiners Hand.

Das war bisher der dollste aller  Momente. Er macht das auf eine ganz besondere Art. Er reibt nicht, sondern  drückt das Köpfchen gegen die Hand, als ob er uns einen Stempel aufdrückt. Sehr  niedlich, wie schüchtern er sich ganz langsam öffnet.


Die  Schritte 1 - 8 fanden in einem Zeitraum von etwas über einem Jahr  statt.



Wir  sind sehr froh darüber, dass wir auch diese Nuss so langsam knacken können.  Entwurmt ist er mittlerweile. Wir machen jetzt so weiter und wenn das Vertrauen  groß genug ist, kommt der erste Gang zum TA. Das wird noch  dauern.

 

Aber  mittlerweile ist er fest bei uns eingezogen. Er schläft nicht mehr im Eselstall  oder auf dem Heuboden. Er schläft jetzt hier im Wohnbereich. Mal auf dem Sofa,  mal im Gästebett. Kommen wir ins Zimmer rein, zuckt er mittlerweile nicht einmal  mehr. Er hat gelernt, dass wir ihn nur begrüßen, uns freuen und unserer Wege  gehen.


Vielleicht  ist unser Weg falsch. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, ihn anfangs mit  einer Lebendfalle einzufangen und zum TA zu bringen. Mag sein. Aber auch bei  Jackie versuchen wir, unserem Weg treu zu bleiben.

 Die Seele muss zuerst  gesunden und dann kann der Körper nachziehen.