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Gästebuch

zypernhunde

 

Serano,  unseren Haflinger, trafen  wir als Pferd namens Sam.

 

Wir  wussten nicht viel über ihn. Ein  13jähriger Haflinger halt, um den sich 3 Mädels kümmerten. Teilweise wurde er  vollgestopft mit Brot, Bonbons, Weingummis. Sein Stoffwechsel dankte es ihm  nicht. Es wurde gesagt, er sei ein Springpferd. Wenn man ihn so vor sich sah,  ein Haflinger vom alten Schlag, mochte man es kaum glauben. Ein erfahrenes Pferd  mit gutem Charakter. Das war für uns ausschlaggebend.

 

Er stand  in dem Stall, in dem wir damals Einsteller waren, im Sommer 2006 zum Verkauf. Ein Mädel hatte Probleme mit ihren Eltern oder ihre Eltern mit ihr und das Pferd  sollte weg. Das hörten wir mit Bestürzung, denn wir ahnten, dass ihr Pferd der  einzige Halt für das damals 15jährige Mädel war. Wir mochten das Mädchen,  konnten aber nichts für sie tun, außer ihr Pferd zu kaufen, damit sie weiß, dass  er es gut hat und wo sie ihn findet. Als andere Reitschülerinnen Interesse an  dem Pferd zeigten, handelten wir sofort. Die Vorstellung, er solle die nächsten  Jahre als Teeniewanderpokal sein Leben tristen, gefiel uns überhaupt nicht. Im  übrigen waren wir sowieso der Meinung, unsere beiden jungen  unerfahrenen Pferde nicht  ohne älteres Tier stehen lassen zu  können, dass die Leitrolle übernimmt.

Man überlässt Menschenkinder ja auch nicht  sich selber. Also war es beschlossene Sache: Franzis Pferd kommt zu  uns.

 

Damit  begann für ihn ein neues Leben, vorerst noch im alten Stall. Der Hufschmiedtermin stand an und man warnte uns: "Er macht da immer Probleme!" Nun, wir hatten einen anderen Hufschmied als die Vorbesitzerin und es gab überhaupt  keine Probleme. Er kam mit der vorsichtigen Art unseres Schmiedes sehr gut klar. Halt ein sehr sensibler Bursche, unser Hafi. Wie sensibel, ahnten wir anfangs noch gar nicht. Unser Hufschmied machte uns darauf aufmerksam, dass wir es mit  einem Rehekandidaten zu tun hatten. Daran hatten wir überhaupt nicht gedacht. Wir haben uns bei der Kaufentscheidung einfach nur auf unser Bauchgefühl  verlassen und alle sachlichen Überlegungen völlig ausgeschlossen. Aber auch mit  dem Wissen hätten wir ihn übernommen.

 

Was wir  zum Zeitpunkt des Kaufes auch nicht wussten, war die Tatsache, dass er ein  Problem mit dem Aufhalftern hatte. Er ließ sich nicht aufhalftern. Er war immer das letzte Pferd, das die Stallbesitzerin von der Weide in die Box brachte. Nur als letztes Pferd konnte er aufgehalftert werden. Nun wurde uns auch klar, warum  die Mädchen zum reiten und putzen früher immer erst auf den Hof kamen, nachdem  die Pferde von der Weide geholt worden waren. War er in der Box machte das  Aufhalftern überhaupt keine Probleme.

 

Nun, ja.  Wir ließen das alles erst einmal so stehen und sahen da keinen Handlungsbedarf. Wir wollten abwarten, bis wir mit unseren Tieren auf unserem Hof lebten.

 

Er kam letztendlich als viel zu gut erzogenes Pferd auf unseren Hof, sieht man mal von dem Halfterproblem ab. Nie mehr stundenlanges Stillstehen, um Zöpfe geflochten zu bekommen, haben wir ihm versprochen und er übernahm gerne die Führung in der kleinen Herde.

Hatte man ihm am Halfter, klappte alles problemlos. Er funktionierte, war aber voller Unruhe, Spannung, Ängste. So nach und nach kamen  wir dahinter, dass diesem Tier sehr viel angetan worden sein muss. Er muss fast zu Tode gejoint worden sein.

Er hatte in all den Jahren gelernt, dass er  für Schmerzen bestraft wurde. Also, wenn ihm etwas weh tat, wurden ihm noch mehr  Schmerzen zugefügt, damit er weiter lief:" Dem Bock zeige ich es. Der springt jetzt darüber!" Also zeigte er uns seine Schmerzen anfangs auch nicht.

 

Wir merkten aber auch ziemlich deutlich, dass er sich uns irgendwie nicht anschließen wollte. Im Gegensatz zu unseren anderen Tieren kamen wir mit ihm nicht wirklich weiter. Er machte den Eindruck, einen Menschen für sich alleine haben zu wollen oder aber unverstanden zu sein. Seine ehemaligen Reitbeteilungen und auch Franzi, die ehemalige Besitzerin, meldeten sich nicht mehr, obwohl sie das hoch und heilig versprochen hatten. Keine Zeit .. Keine Lust ... Was nun? Wir konnten ihm so nicht gerecht werden und so beschlossen wir, uns nach einem Menschen für ihn umzusehen. Vorzugsweise eine junge Frau, die vielleicht etwas  beständiger ist, als ganz junge Mädchen, die meist mit dem ersten Freund das Interesse am Pferd verlieren.

 

Der Zufall wollte es, dass eine Kollegin Interesse zeigte. Sie kam, um ihn kennenzulernen und entschied sich ohne zu zögern FüR dieses Pferd. Wir wiesen sie darauf hin, dass es sehr schwierig werden könnte und er kein leichter Brocken ist, aber das war für sie kein Problem. Ihr Bauchgefühl war einfach nur JJJAAAA.

Mit dem Tag hatte er also seinen Menschen gefunden.

 

Mit all  ihrer Hartnäckigkeit kämpfte Sylke um Herz und Vertrauen dieses Tieres. Einmal in der Woche kam sie bei uns vorbei. Wir wussten ihn bei ihr in allerbesten Händen und er schloss sich ihr von Woche zu Woche stärker an. Das lief sehr gut. Uns gegenüber hielt er weiter die Distanz. Das gefiel uns nicht, aber wir wollten vorerst abwarten und das Verhältnis zwischen Sylke und ihm nicht  stören.


Nach  einer fürchterlichen Orkannacht wussten wir, dass nicht alles rund läuft und wir nicht nur Zeit nötig haben, sondern mehr unternehmen müssen. Wir baten eine  Tierkommunikatorin um Hilfe. Dadurch fanden wir den richtigen Weg und eine große  Wende trat ein.

 

Wir hatten  eine andere Basis. Jeder wusste, woran er war und so lief alles besser. Das  Pferd Sam gibt es nicht mehr. Den Namen Serano hat er uns wissen lassen. Klingt  abgefahren, ist aber so. Er reagierte niiiieeeee auf Sam. Nie! Als er damals  gefragt wurde, ob Serano sein Name sei, hob dieses Pferd seinen Kopf, schnaubte und kam zum ersten Mal zu mir ohne mit Leckerlies angelockt worden zu sein. War ein sehr schönes Gefühl.

 

Heute wissen wir auch, dass es sich oftmals um kein Bauchgefühl handelte, wenn Entscheidungen getroffen werden mussten. Sehr oft werden wir von unseren Tieren  mittels Gedankenübertragung gesteuert und Serano ist ein Meister dieses Faches.

 

Wir haben jetzt einen Weg gefunden und es läuft richtig gut. Um sein Vertrauen muss man richtig buhlen und stundenlang auf der Weide sitzen, gedanklich nur bei ihm. Es hat sich aber echt gelohnt.

 

Aufhalftern  ist kein Problem mehr. Einmal über den Hof gefragt, ob er Lust hat, vorne etwas zu machen, und er setzt sich in Bewegung und seine Nase steckt er von alleine ins Halfter.

 

Wir wissen mittlerweile, welche Fehler wir bei ihm gemacht haben. Eine sehr zarte Seele steckt in einem kräftigen Körper. Diese Seele wurde seit frühester Jugend oft verletzt und sein Misstrauen ist sehr groß. Mit unserer ganz anderen Art mit Tieren umzugehen, konnte er zuerst nichts anfangen. Er musste erst begreifen, dass von uns keine Gefahr und keine Verletzungen ausgehen.

Im ersten Jahr bei uns drehte er sofort ab, wenn er den Sattel sah. Vor wenigen Wochen kam er zum ersten Mal freudig angelaufen, als er einen Sattel sah. Sah er die Longierpeitsche irgendwo an der Wand lehnen, drehte er schon ab. Es waren so viele Dinge, durch die wir immer wieder darauf gestoßen wurden, was ihm alles angetan worden ist.

Heute halten wir seine Seele für kuriert. Durch ihn haben wir auch unglaublich viel gelernt. Droht irgendwo Gefahr, arbeitet er inzwischen mit uns zusammen, um die beiden jungen Tiere seiner Herde zu schützen.

Sylke ist nach wie vor für ihn da. Seit über 2 Jahren ist sie jeden Samstag bei uns und betüddelt ihr zu groß geratenes Baby.

Serano war nicht immer freundlich zu ihr. Aber auch in Zeiten, wo er ihr einfach nur den Hintern zugedreht hat, blieb sie beständig am Ball. Ich glaube, das hat ihn am meisten beeindruckt, kannte er doch bisher nur Menschen, die ihn aus ihrem Leben geschmissen hatten. Die Innigkeit zwischen den beiden wird auch sicher  ein ganzes Leben lang halten.